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Ein erster kuzer Auszug aus dem Buchprojekt "INDIEN" Eine Reise nach innen

December 18, 2017

Ein Schweizer in Mussoorie

Bei einem wundervollen Essen in Rishikesh, in einem Lokal direkt neben dem Ausgang der schmalen Hängebrücke über den hier noch sauberen Ganges, hatte ich spannende Geschichten gehört von einem heiligen Mann, einem direkten Schüler von Swami Yogananda. Ein Schweizer der seit Jahren als Einsiedler und Yogi in den Bergen bei Mussoorie lebt. Als begeisterter Leser der Autobiographie eines Yogi und als ein tiefer Verehrer des erleuchteten Swami , war die Idee einen direkten Schüler von ihm zu begegnen, für mich die Erfüllung eines tiefen Seelenwunsches.  Sofort erzählte ich meinem Freund und Musiklehrer Swami Vhibodananda , meinen Plan spontan nach Mussoorie in die Berge zu fahren. Sein besorgter Blick bremste  etwas meine Euphorie. Die Idee Dharshan von einem heiligen Mann zu erhalten gefiel ihm zwar und er erklärte wie wichtig es ist die Nähe eines erleuchteten Wesens zu fühlen und teilzuhaben an den Visionen von Menschen die ihr Bewusstsein hochentwickelt haben, aber er verbot es mir alleine in die Berge zu fahren. Dies sei zu gefährlich und zu unkomfortabel für einen „Westler“. So veranlasste er, dass zur Sicherheit und als Reisebegleitung, einer seiner jungen Schüler mit dem Namen Ghotam die Fahrt in die Vorberge des Himalaya begleiten sollte. Mich rührte die Fürsorglichkeit des liebevollen Swami , es drückte seine Liebe und Zuneigung auf eine väterliche Weise aus. Ich willigte gerne ein, meine Reise mit einem jungen, aufgewecktem Inder an meiner Seite anzutreten. Und schon sollte sich meine Begleitung als nützlich erweisen. Bereits das Besorgen der Tickets für den Linienbus, sonst eine eher langwierige und manchmal auch nervige Angelegenheit erledigte mein neuer indischer Freund mit Gelassenheit und Cleverness. So blieb mir die Zeit bei einen süßen Chai mit Milch das pulsierende Leben auf der Straße zu beobachten. Die Fahrt im indischen Linienbus, begann damit das der Fahrer die blau bemalte Shiva Statue auf dem Amaturenbrett, umhüllt von zahlreichen Blumenmalas, mit Räucherstäbchen und gemurmelten Mantren verehrend umwedelte. Auch draußen wurde der ganze, typisch indisch mit Schriftzeichen und knallbunten Götterbildern bemalte Bus angemessen geräuchert und die Götter geehrt, um alles Negative von der Reise abzuwenden. Wir ließen uns ganz vorne auf einen zerschlissenen Sitz nieder. Meine Begleitung war anscheinend, neben mir der einzige der mit westlicher Kleidung reiste. Eine wahre Farbenpracht entfachen dagegen die bunten Saris und Tücher der Inderinnen, die im Kontrast zu Ihren dunklen Augen und der Schokoladenfarbenen Haut noch farbiger wirkten. Die sengende Hitze, der indische Sonne die immer wieder durch die nicht vorhandenen Glasscheiben der Busfenster schien, der aufwirbelnde Staub der an der schwitzenden Haut klebte und die langen Haare schnell zu einer rastaähnlichen Frisur verklebte waren unsere Begleitung. Auch die für mich immer wieder erstaunliche Lautstärke indischen pulsierenden Lebens, mitgebrachte Tiere und in Tücher eingewickelte Habseligkeiten im Gepäck, begleiteten uns seit Beginn der Reise. Schon während der ersten Kilometer bemerkte ich mit Erstaunen dass man bei Fahren von innen auf die vorbeihuschende Straße unter uns blicken konnte. Der Boden des Busses war komplett durchgerostet. Ein gewaltiges, an den Rändern ausgefranstes Loch gab nicht nur den Blick auf die Antriebswelle des Busses, sondern auch auf den Asphalt frei. Um überhaupt fahren, beziehungsweise das Gaspedal oder die Bremse bedienen zu können hatte der Fahrer ein Brett von der einen Seite zur anderen gelegt, so konnte er entspannt darauf seine Füße ablegen zum Bremsen und Kuppeln. Unter Ihm nur der heiße Asphalt. Da aber anscheinend die Position für ihn so noch nicht bequem genug war hatte er links und rechts noch einen Ziegestein unter das Brett gelegt. Mich amüsierte die Improvisationsgabe der Inder eher, als dass sie mich beunruhigte. Schon zu viele, für uns unglaubliche Dinge hatten meine Augen auf Reisen gesehen und so konnten mich solche Gegebenheiten wenig aus der Fassung, eher zum schmunzeln bringen. Nicht zuletzt durch Meditationen und Übungen des sich Hingebens an den Fluss des Lebens, lernt man etwas Gleichmut und Gelassenheit in solchen Situationen zu bewahren. Außerdem war ich der festen Überzeugung, das eine Pilgerreise zu einem Heiligen Mann in Indien gesegnet ist von der göttlichen Präsenz. Gotham war während der Fahrt sehr gesprächig. Wir philosophierten über das Leben und  den Hinduismus. Mit Stolz trug er seine Brahmanenschnur, die seine Zugehörigkeit zur höchsten Kaste symbolisiert.  Er erzählte von seinem Entschluss, einen traditionellen, asketischen Yoga Weg zu Gott zu gehen und sein Leben ganz der spirituellen Hingabe zu widmen. Unterbrochen wurde das Gespräch durch ein plötzliches scharfes Bremsen mitten auf der Straße. Schon seit längerem hatte ich bemerkt wie der Fahrer immer wieder seine Finger im Mund etwas nass machte und damit kurz vorne, auf den nach innen ragenden Motorblock tippte. Diesmal aber zog er die Hand schnell zurück und bremste daraufhin den Bus vehement ab, drehte am Zündschlüssel und stellte den Motor ab. Ich fragte verwundert den Fahrer was den los sei. Die Antwort war, in typischem „indienenglisch“, ein kurzes „Motor to hot“. Ein leichtes Grinsen um seinen Mund gab dabei die vom kauen der Betelnuss knallrot gefärbten Zähne frei. Bereits Sekunden später hatte er sich den Turban etwas über die Augen gezogen, ließ sich bequem in seinen Sitz fallen und schickte sich an zu schlafen. Die mitreisenden Inder nahmen dies mit ebensolcher Gelassenheit hin und begannen ebenfalls zu schlafen oder etwas mitgebrachtes zu Verzehren. So standen wir also auf der Straße, in einem lichten Wald, bei sengender Hitze ohne Klimaanlage mitten in Nordindien. Anscheinend hatten wir zu warten bis sich der Motorblock soweit abkühlte das wir weiterfahren konnten. Wieder eine Gelegenheit für eine Übung in Geduld und entgegen dem westlichem Perfektionismus. Loszulassen und im Augenblick zu bleiben. Schon nach kurzer Zeit wurde die aufkommende Langeweile vertrieben. Eine Affenherde hatte den Bus bemerkt und kam neugierig näher. Einige Inder warfen essbares aus dem Bus auf die flimmernde Straße. Sofort begannen die Affen sich kreischend und tosend um die verschiedenen Köstlichkeiten  zu zanken. Die ersten kletterten bereits frech den Bus hoch, denn anscheinend war jede Scheu von Ihnen gewichen. Begleitet von Geschrei und wilden Verfolgungsjagden tobte die Herde um das Fahrzeug. Einer versuchte dem anderen schmackhafte Bissen abzujagen, begleitet von jammerndem Geschrei und Gezeter. Andere waren bereits so mutig und streckten ihre Arme durch die Fenster um sich füttern zu lassen. Kurz gesagt es war ein richtiges kurzweiliges Affentheater das den Indern im Bus immer wieder  ein Lächeln ins Gesicht zauberte oder sie gar schallend zum Lachen brachte. Gleichzeitig merkte man, anhand der Zähnefletschenden, der stattlichen Affen, den Indern einen gewissen Respekt vor den Tieren an. Ich weis aus eigener Erfahrung wie schmerzhaft der Biss eines Affensein kann. Gleichzeitig bemerkte ich einmal mehr dass Inder oft wie kleine Kinder sind, voller ursprünglicher, einfacher Freude am direkten Leben. Eine Eigenschaft die vielen von uns leider abhanden gekommen ist. Unser analytischer Verstand verwehrt uns oft den Zugang zum direkten Erleben aus der Intuition. Ich liebe es in Indien, mich hineinfallen zu lassen in diese Sichtweise der Dinge, eins zu werden mit dem Augenblick, weit weg vom rationalen Verstand hin zum wertfreien Erleben aus dem Herzen. Nachdem der Fahrer die Temperatur wieder mit Hilfe seines „Messgerätes“ geprüft hat steckt er  sich noch kurz ein Blatt mit gelöschtem Kalk in dem eine kleingehackte Betelnuss eingerollt war, die rasch gegen Ermüdung wirkt, in den Mund. Der Konsum führt zum einen zu vermehrtem Speichelfluss und Wohlbefinden und zum anderen dämpft er den Appetit. Wach rekelnd setzt er die Fahrt ebenso plötzlich fort wie er sie gestoppt hatte.....

 

 

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